Welcome in the Philippines!

Umgeben von lauter lieben Menschen. 

Nach einer Nacht Aufenthalt in Singapur ging mein Flieger um 9 Uhr morgens Richtung Davao, Mindanao. Am Immigration Office im Flughafen war eine riesige Schlange und ich hatte immer noch Angst wegen irgendeinem Grund nicht einreisen zu dürfen. Beim letzten Sicherheitscheck gab ich an, dass ich hier nur Freunde besuche (sonst wird es kompliziert mit dem Visum) und schon wurde ich von Sarah und Ruth begrüßt, zwei Volunteers vom Kinderdorf, die auf mich warteten.

Da ich nicht sonderlich im Jetlag war, starteten wir noch eine kleine Tour durch Panabo. Panabo ist die nächste Stadt zum Kinderdorf und absolut kein Touristenspot. Für viele Kinder sind wir die ersten Hellhäutigen, die sie sehen, dementsprechend zieht man die Blicke auf sich. Neugierig lächelten sie uns zu ohne jedoch aufdringlich zu sein. Unser erster Stop war eine Mall, wo ich mich mit einigen Kleinigkeiten eindeckte.

Auf dem Markt gab es Massen an Früchten, viele davon kannte ich vorher noch gar nicht. Hinter den Ständen stehen oft Kinder und helfen ihren Eltern oder verkaufen die Früchte selbst. Von hier kommen auch einige Kinder vom Dorf, wurde mir erzählt. Sie müssen Tag und Nacht auf dem Markt helfen und schlafen sogar dort.

Obwohl so vieles ganz anders ist zu allem, was ich bisher erlebt habe, fühlte ich mich gleich geborgen in diesem Land, vor allem durch die ganzen lieben Menschen um mich herum. Es ist einfach wunderschön in ein so fremdes Land zu kommen und all die neuen Eindrücke auf sich einprasseln zu lassen, ohne sich dabei unwohl zu fühlen.

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Welcome Ate Luisa!

Mit verschiedensten Verkehrsmitteln kamen wir zum Kinderheim, ein allgemeines Bussystem gibt es hier beispielsweise nicht. Je nachdem welche Strecke man fährt, nimmt man Trycicle (das philippinische TukTuk), Van (hier variiert der Preis, je nachdem ob mit oder ohne Klimaanlage) oder Jeepney (eine Art Kleinbus ohne Fenster).

Als wir das allererste Mal die Einfahrt zum Kinderdorf einbogen, sah ich, wie unsere Nachbarschaft lebt. Die Familien wohnen in einfachsten Zuständen, und trotzdem tragen sie stets ein Lächeln im Gesicht. Die Freiwilligen erzählten mir, dass die Leute hier einfach glücklich mit ihrem Leben sind, und daran auch nichts ändern möchten.

Mit dem Trycicle bahnten wir uns den Weg zwischen Schlaglöchern hindurch zum Hintereingang des Children’s Village – der Volunteers Area. Die ehemaligen Freiwilligen haben es hier schon richtig schön eingerichtet – man fühlt sich gleich wohl, wenn man ankommt. Mein Gepäck legte ich in einer Bamboohütte ab, die typisch Filipinostyle recht simple eingerichtet ist.

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In meinem neuen Zuhause gibt es keine richtige Dusche, die nächsten sechs Monate
wird eine Wasserkelle ausreichen. Das ist zwar anfangs eine Überwindung, dafür fühlt man sich danach aber umso erfrischter.

 

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Dann ging es endlich ins Dorf und ich lernte jede Menge Kinder und Hausmütter kennen. Die Kids sind wirklich zuckersüß und wollten mich gleich umarmen. Von meinem Haus wurde ich gleich von einem total süßen Mädchen in Beschlag genommen, die mich gar nicht mehr loslassen möchte. Da sich die philippinischen Kinder doch recht ähnlich sehen, wusste ich anfangs nicht, wie ich mir die Namen zu all den neuen Gesichtern einprägen soll. Mittlerweile sitzt aber schon der Großteil der Namen recht sicher.

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Kinderlachen, saure Mangos und Regenschauerduschen

In den ersten Tagen wurde mir hier noch genug Zeit gelassen mich einzugewöhnen. Trotzdem war ich unglaublich viel unterwegs. Auf den Night Marktes habe ich zum Beispiel zum ersten Mal saure Mangos (mit Essig und Salz) probiert, auf der Farm die tierischen Bewohner des Dorfes kennen gelernt und den Bewohnern eines Bergdorfes haben wir mit solarbetriebenen LED-Lampen ermöglicht, die Arbeit nach Sonnenuntergang fortzusetzen.

Im Children’s Village war die Selbstständigkeit, die hier schon mit fünf Jahren beginnt, in den ersten Tagen eine recht große Umstellung. Bevor es beispielsweise Frühstück gibt, muss jeder seine Aufgaben (tasks) autonom erledigen, wie zum Beispiel den Boden zu wischen. Es ist anfangs schon komisch, wenn man einen Sechsjährigen frühmorgens seine Wäsche waschen sieht – für die Kinder ist das hier aber vollkommen normal. Jeder übernimmt seine Aufgaben ohne Beschwerden, sie sind schon ein richtiges eingespieltes Team.

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Ganz offiziell nach Geographiebuch sind wir hier auf den Philippinen ja schon in der Trockenzeit, aber trotzdem schüttet es noch jeden Nachmittag aus Eimern. Die Kinder nutzen das gleich als Möglichkeit eine ausgiebige Dusche zu nehmen.

Da alle Kinder – teilweise auf einem recht hohen Niveau – Englisch sprechen können, ist die Kommunikation bisher kein Problem. Trotzdem ist die übliche Landessprache der ruralen Bevölkerung Visaya, was ich wirklich gerne lernen möchte. Es macht schon wahnsinnig Spaß kleine Begrüßungsfloskeln austauschen zu können.

Große Freude mit kleinen Gesten

An meinem zweiten Tag stand nachmittags (eigentlich war ja Mittags geplant, aber man kann hier getrost immer 3 h später rechnen. Filipino style.) schon ein Feeding Program an. Also fuhren wir (die anderen Volunteers aus Deutschland und ich) mit den Sozialarbeitern und zwei großen Töpfen deftigem Reis Richtung Panabo City.

Die Location war sehr abgelegen, es ging lange Zeit an weiten Palmenwäldern vorbei, die zwischendurch durch einzelne Bambushütten unterbrochen wurden. Unsere Ankunft wurde schon von einer großen Gruppe an Kindern im Grundschulalter erwartet. Nachdem dann die Töpfe aufgestellt wurden, reihten sich alle schon wie selbstverständlich in eine Schlange ein. Es gab kein Vordrängeln oder Quängeln, jeder wartete geduldig auf seine Portion Reis. Es war echt schön den Kindern mit so einer kleinen Geste solch eine Freude zu machen!

Colonial behavior und Filipinotime

Gerade eben hatten Sarah und ich noch eine Einweisung in die child protection des Kinderdorfes vom Psychologen. Am meisten haben wir jedoch über philippinische Kultur und Geschichte diskutiert. Der Kolonialismus der letzten Jahrhunderte ist immer noch spürbar, beispielsweise schauen Filipinos immer zu Ausländern, vor allem zu Amerikanern und Europäern, auf. Ganz typisch philippinisch ist auch die „tägliche Zeitverschiebung“: Wird ein Termin für 9 vereinbart, kann man ein Erscheinen vor 10 nicht erwarten. Auch mit Angelegenheiten und Problemen wird recht gewöhnungsbedürftig gehandhabt: die Filipinos tuen sich sehr schwer direkt (wie wir Deutschen) Dinge zu kommunizieren. Das witzige war, dass der Psychologe zwischendurch eigentlich los musste, es aber – typisch filipino – nicht sagen wollte. Als Sarah ihm dann implizierte, dass wir das Gespräch auch am Nachmittag fortführen können, war er sichtlich erleichtert.

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