Von Englisch- und Surfstunden

Die letzten Wochen über hatten wir im Kinderdorf leider sehr schlechtes oder gar kein Internet. Daher lies ich jetzt einige Zeit nichts von mir hören – aber keine Sorge, es geht mir gut! Ich werde jetzt relativ regelmäßig in ein Internetcafé in Panabo gehen, wo ich dann posten kann (auch wenn es jedes mal circa vier Stunden dauert mit dem philippinischen Internet).

Ich versuche jetzt einfach mal euch von ein paar Dingen zu berichten, die in der letzten Zeit passiert sind.

 

Die Ates auf Schulbesuch.

Zugegeben kamen wir uns schon ein bisschen wie peinliche Mütter vor, die ihren Kids hinterherspionieren. Aber wir konnten es uns einfach nicht verkneifen einmal eine typisch philippinische Unterrichtsstunde mitzuverfolgen. Die Wahl fiel auf Englisch siebte Klasse.


Zur Schule werden die Kinder mit unserem „Big car“ gefahren.
Bis dann mal Alle im Auto sitzen, vergeht schonmal eine viertel Stunde, was sich in letzter Zeit noch mehr zieht, da die Hupe nicht mehr richtig funktioniert (Könnte daran liegen, dass sie schon etwas zu oft benutzt werden musste, um die Kinder zu rufen oder schlafende Hunde von der Straße zu verscheuchen.)

Teilweise tragen die Kinder Schulkleidung, teilweise aber auch nicht. So wie ich es verstanden habe, dürfen die Kinder frei entscheiden, ob sie Schulkleidung anziehen möchten oder nicht. Das ist übrigens auch wieder typisch philippinisch – die Idee an sich ist gut, aber es wird nicht vollständig durchgesetzt (genauso werden Häuser oft nicht vollständig fertig gebaut oder Dinge nur halb erledigt).

In einfachen Holzstühlen mit kleinen, integrierten Schreibflächen fanden wir uns also an einem Mittwochvormittag zwischen 40 philippinischen Mädchen und Jungs wieder. Da viele Kinder verzögert die Schule beginnen, ist der Altersunterschied unterhalb der Schüler teilweise recht groß. Der Unterricht selbst verlief sich auf frontale Stoffvermittlung – die Klasse sprach der Lehrerin einfache Sätze im Chor nach. Der „Test“ zum Ende bot leichte „Spickmöglichkeiten“, kein Wunder, dass manche Kinder nicht in die Schule gehen möchten, wenn ihr Sitznachbar krank ist.

 

 

Korrigiert wurde die Probe dann von den Schülern selbst, die Noten wurden der Lehrerin zugerufen. Ob tatsächlich die richtigen Testergebnisse aufgeschrieben wurden, blieb fraglich. Um diese Eindrücke jedoch zu relativieren muss man anmerken, dass es für diese Schüler sowieso ein Privileg ist, überhaupt in die Schule gehen zu können. Die Bildung kann man natürlich keineswegs mit der in deutschen Schulen vergleichen.

 

Trip nach Siargao

Kristallklares Wasser, wilde Natur und ein entspannter Vibe lockten uns zum Surfspot Nr. 1 der Philippinen. Sarah, Ruth und ich entschlossen uns also spontan zu einem verlängerten Wochenendtrip auf das Inselarchipel. Allein die Anreise stellte sich schon als Abenteuer heraus. Als wir dem Trycicle-Fahrer in Panabo mitteilten, dass wir nach Siargao möchten, fiel ihm gleich die Kinnlade runter. Im Bus, mit dem wir bis nach Butan? fuhren, konnten wir durch die AirCon, die die Temperatur gefühlt auf Minusgrade sinken lies,unmöglich schlafen. Ziemlich irritiert war dann der Blick des nächsten Busfahrers, als wir auf seinen Hinweis, dass der Bus leider keine AirCon hätte, erleichtert „Okay Lang“ riefen. Die spinnen, die Deutschen. 🙂

Da es wie schon gesagt kein strukturiertes Verkehrsnetz mit Fahrplänen gibt, bleibt einem eigentlich der Stress erspart, sich an eine Uhrzeit halten zu müssen. Eigentlich – wäre da nicht die Fähre von Surigao nach Siargao, die wir ganz filipino style dann auch verpasst haben. Durch mehrmaliges Rumfragen kamen wir dann auf den Konsens, dass die nächste Fähre erst wieder in einigen Stunden fährt. Es passiert nicht selten, dass sich eine kleine Menschentraube von hilfsbereiten Filipinos ansammelt, die uns leider aber meist nur ihre Anwesenheit und nicht erkenntnisreiche Antworten schenken können.

Einige Pandesal (unglaublich leckeres, süßes Hefegebäck – es gibt Bäckereien nur dafür), Powernaps und einen Sonnenaufgang später wurden wir mit einem Regenschauer auf Siargao begrüßt. Die Unterkunftssuche wurde zu einer kleinen Herausforderung, da die halbe Insel an diesem Wochenende wohl durch eine Hochzeit ausgebucht war. Letzten Endes fanden wir dann jedoch ein schönes Resort für die erste Nacht, durch das wir auch auf die Unterkunft der übrigen Tage aufmerksam wurden.

Jing’s Place ist the place to be in Siargao – der Besitzer des Homestays war einer der ersten Surfer dort und
hat einige Spots selbst entdeckt. Dementsprechend nervös waren Sarah und ich dann auch, als er uns eine kleine Surfstunde gab. Obwohl er uns nur einige kleine Tipps gab, fiel das Stehen auf und Lenken des Bords gleich leichter

Da das Wetter leider etwas zu wünschen übrig lies, beschränkten sich unsere Trips auf Surfstunden am Secret Spot (der wohl schon lange nicht mehr secret ist), Rollerfahrten durch das tropische Hinterland und einige Restaurantbesuche, eine Abwechslung vom täglichen Reis ist dann auch mal schön. 🙂

Am Samstagabend wurde unsere Chika-Chika Runde auf einmal durch ein Erdbeben unterbrochen. Was für uns ein echter Grund zur Aufregung (sogar in den deutschen Nachrichten) war, wurde auf den Philippinen als kleiner Zwischenfall abgetan. Da gäbe es laut Hostelmama schon härtere Fälle, wenn alle mit ihrem Hab und Gut in die Berge von Siargao fliehen müssten.

Auf dem langen Heimweg kamen wir von unserem Vanfahrer dann noch in den Genuss einer privaten Visaya-Unterrichtsstunde. Auf Nachfrage der zusteigenden Gäste, ob wir beispielsweise mexikanische Missionare wären, entgegnete er stolz, dass wir aus Deutschland seien und ein klein wenig Visaya sprechen könnten. Das Grinsen verging uns jedoch kurzzeitig, als er anmerkte, dass er diese Arbeit Tag und Nacht mit 19 Jahren (genau wie ich!) mache, da er seiner Schwester einen Schulbesuch ermöglichen wolle. Hinter jedem Menschen, den man hier kennenlernt, steckt eben meist ein krasses Schicksal.

 

Love is in the air!

Valentinstag im Kinderdorf.

Knallrote Reklametafeln und überdimensionale Herzen in den Schaufenstern – den Valentinstag kann man auf den Philippinen schwer verpassen. Da die Menschen von Natur aus sehr liebevoll und herzlich sind, scheint dieser Tag wie gemacht für die Filipinos.

Schon Tage vorher war das besondere Event in aller Munde, der Valentinstag wurde von den Kindern ewig herbeigesehnt. Um den Tag der Liebe auch dieses Jahr zu etwas besonderem zu machen, haben wir Volunteers uns eine Valentinstagsparty mit buntem Programm einfallen lassen.

In der mit Herzchengirlanden und -mobilees dekorierten Gym war einiges geboten: von der Wahl zu Mr und Mrs Valentine 2017 zu Fruchtspießen und Sandwiches in Herzenform.

Auch ein Retro-Klassiker des deutschen 
Fernsehens schaffte es in etwas abgewandelter Form ins Programm – die 70er Jahre Sendung Herzblatt: beim „Blind Date“ musste sich ein Kind jeweils für einen von drei Kandidaten entscheiden. Der/Die Glückliche wurde durch eine Fragerunde ermittelt, bei welcher die drei Jugendlichen möglichst witzig und charmant antworten sollten. Nachdem der Kandidat seine Wahl getroffen hat, sah er zum ersten Mal sein „Herzblatt“. Das etwas peinlich berührte „Liebespaar“ wurde in dieser witzigen Situation von den Kindern mit großer Freude bejubelt. Das Spiel sorgte für sehr großen Spaß.

Alles in allem war die Valentinstagsparty eine gelungene Abwechslung vom Kinderdorfalltag, die allen wohl noch lange in Erinnerung bleibt.

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